Dunkle Machenschaften

Wir glaubten von Anfang an an die Idee: einen Raum schaffen, in dem man den eigenen Sinnen auf die Spur kommen kann. Hinter dem Vorhang der sichtbaren Welt, in vollkommener Dunkelheit. Hören, riechen, tasten, schmecken. Hautnah und intensiv wie nie. Wir glaubten von Anfang an an die Idee. Mussten wir auch. Es gab ja nichts zu sehen. Von einer ziemlich finsteren Website einmal abgesehen.

Blindes Vertrauen

Emanuel Frass, Gründer von Vier Sinne, einem Unternehmen für dunkle Machenschaften, war auf die Suche nach einem Partner gegangen, dem er nicht nur in Fragen der Kommunikation blind vertrauen konnte. Jemand, der verstünde, das, was bislang nur er gesehen hatte, möglichst vielen sichtbar und plausibel – ja erlebbar zu machen.

Es ging darum, die Erfahrung etwa eines Dinner in the Dark zu transportieren. Und zu transponieren: diese non-visuelle Erfahrung also in Web und Print visuell erscheinen zu lassen. Unsere Arbeit für Vier Sinne war dementsprechend umfassend. Begonnen bei der Logokreation und Claim-Findung übers gesamte Corporate Design (Visitenkarten, Briefpapier, Gutscheine, Speisekarten …), vom Branding der Dienstleistungen, Contenterstellung, Textierungen jeglicher Art bis zum völlig neuen Webauftritt samt online Buchungssystem und Suchmaschinenoptimierung, von der Außenbeschilderung über Flyer zu Video-Spots und Presseeinladungen …

Umarme das Unbekannte

Die Presseeinaldungen. Der Zeitdruck. Die Konkurrenz, der man zuvor kommen wollte. Wir mussten schnell handeln und die Medien informieren, bevor es jemand anders tun würde. Gleichzeitig konnten wir aber noch keinen Termin festsetzen, an dem wir die Medienvertreter zu empfangen gedächten, es war nicht absehbar, wie lang bestimmte Adaptierungsarbeiten noch dauern würden. Also machten wir aus der Not eine Tugend und starteten mit einer Teaserkampagne, die die Gier auf all das Neue wecken sollte, das wir teilweise selber noch nicht kannten.

Unverzüglich begannen wir mit der Fertigung eigener RSb-Briefe, schließlich war es ja eine dringende Angelegenheit, der man das auch sofort ansehen sollte. Nachdem man die perforierten Ränder abgerissen, das dünne Blatt entfaltet hatte und einem ein filigraner, zylinderförmiger Gegenstand in den Schoß gefallen war, las man die Zeilen:

Wir haben die Sicherung entfernt.
Die Dunkelheit ist nicht mehr aufzuhalten.

Man wurde angewiesen, den Nachbarn zu informieren, ruhig zu bleiben und auf weitere Weisungen zu warten. Alles ohne jeden Absender ohne Logo oder Fingerabdrücke. Keinerlei Hinweise auf den Urheber.

Sie bedanken sich

Der wurde erst zehn Tage später in der Folge-Aussendung gelüftet, bei der wir nun bereits ein Datum für den Pressetermin fixieren konnten. Der Funke sprang über. Die Responsequote lag bei 25% – und das während der Urlaubszeit.

Zeitgleich kamen die drei Flyertypen zu den drei stärksten Dienstleistungen von Vier Sinne aus der Druckerei. Vier-Sinne-Mitarbeiter verteilten sie. Einer von ihnen, ein Blinder, sagt uns später: „Ich kann zwar nicht sehen, was ihr da genau gemacht habt, aber die Reaktion der Leute krieg ich mit. Sie bedanken sich. Und sie meinen’s so. Sie bedanken sich für einen Flyer.“

Wahrscheinlich war es das erste Mal, dass jemand eine schwarz verlaufende Schrift auf schwarzem Grund mit UV-Lack überziehen ließ. Aber das Ergebnis kann sich nun mal sehen lassen. Zumindest mit ein bisschen Anstrengung, wenn man den Flyer kippt. Vier Sinne … die im Dunkeln funkeln, liest man dann unter anderem.

Zahlen bitte

Und liest nicht nur, sondern erfährt es. Wie man auch das Schreibpapier, auf dem die Gäste ihre Eindrücke von der sie umgebenden Dunkelheit festhalten können, erfährt. Und zwar mit den Fingerspitzen. Das von uns entworfene Vier Sinne Logo, ein stilisiertes, weiches, innerliches, und sehr sinnliches, geschlossenes Auge, wurde im Briefkopf – wie es so treffend heißt – blindgeprägt

Beim blinden Ertasten des geschlossenen Auges schließt sich so der Kreis und man ertappt sich selbst beim Tappen. Deshalb heißt es auch an einer Stelle auf www.viersinne.at: Manche Erfahrungen muss man selber machen. Und viele sind da ganz unserer Meinung: So schaffte es der von uns entwickelte und suchmaschinenoptimierte Webauftritt innerhalb weniger Wochen die Zugriffszahlen zu verzehnfachen. Die Verweildauer, wie lang ein Besucher sich also auf der Seite aufhält, beträgt durchschnittlich vier Minuten zwanzig. Genug Zeit, um sämtliche Informationen der jeweiligen Zielgruppe abzurufen – und überzeugt dann gleich Tickets oder Gutscheine zu kaufen. Wenn jeder dreißigste Besucher eines Onlineshops etwas kauft, kann man sich glücklich schätzen. Bei www.viersinne.at ist es jeder Fünfzehnte. Das hat wenig mit Glück zu tun.

Emanuel Frass will Vier Sinne 2010 um weitere Dienstleistungen ergänzen und zur Marktführerschaft bringen. Er beginnt wieder Dinge zu sehen. Wir freuen uns schon darauf ihnen Name und Gesicht zu geben.