Wenn der König Kunde ist ...

»Es soll schon Eindruck machen. Der Kunde ist immerhin König.«
»Der Kunde ist bei uns immer König.«
»In dem Fall ist er aber wirklich König. Oder wird es zumindest mal. Chalifa bin Zayid, Kronprinz von Abu Dhabi. Er entscheidet.«


Alexander Kanovsky verliert keine Zeit. Er ist Bid-Manager der MMG, eines Konsortiums unter der Leitung seines Arbeitgebers Strabag SE, das sich gerade in Gründung befindet. Und ein Logo braucht. Und eine Wettbewerbsmappe: »Für eine Ausschreibung in Abu Dhabi vom dortigen Verkehrsministerium. PPP-Projekt. Sanierung und Erweiterung von knapp 330 Autobahnkilometern, Betrieb für 25 Jahre inklusive. Daher auch das Auftragsvolumen, um die 2,7 Milliarden Dollar. Was das Logo angeht haben wir genau eine Woche. Das hier ist unsere Entwurfsvorstellung, in diese Richtung. Abgabe fürs SOQ folgt drei Wochen darauf. Mir ist bewusst, dass das sehr knapp wird.«

Das Logo

Abgesehen von den vorgegebenen Grundformen waren beim Logo der arabische Kulturraum mit seiner eigenen Bildsprache und ein unverkennbarer Bezug zum konkreten Projekt zu berücksichtigen. Wir sahen es uns deshalb erst einmal genauer an und folgten dem Straßenlauf auf Satellitenbildern. Die Nr.11 führt von Ghweifat entlang der Küste nach Mafraq. MMG: Mafraq Motorway Group. Viel Wasser. Viel Wüste. Viel Landschaft. Platz genug also um die Logo-Stimmungsvorgabe unseres Auftraggebers über ihr wie einen Schlachtplan auszubreiten. Vor uns lagen da jetzt zwei Dreiecke, eines rot und eines schwarz, an den Hypotenusen voneinander durch einen schmalen Spalt getrennt. Wie wäre es denn, dachten wir uns, wenn wir die zugedeckte Straße, die unter unserer Logovorgabe verlief und an dieser Stelle einen schön Schwung beschreibt – wie wäre es denn, ihren Verlauft aus den bestehenden zwei Dreiecken herauszustanzen? Würden wir so nicht zum Projektgegenstand selbst gelangen? Und zu dessen organischer und geografischer Einbettung gleich mit? Die Sonne stand dabei ganz auf unserer Seite. Sie hatte das ursprüngliche Rot des Dreiecks ausgebleicht. Schnell verlor es sich im römisch Orange des umgebenden Wüstensandes, den wir darüberfächelten. Ein Grau würde es auf unserer Palette unterstützen und kontrastieren: Asphaltgrau. Und – fertig war das Logo! Wie gefordert funktioniert es in beiden Leserichtungen – ohne die Aussage zu wechseln.

Das MMG-Logo

Die Wettbewerbsmappe

„Die Einreichungen in dieser Branche sind immer sehr detailliert, sehr komplex, hochtechnisch, und nicht sonderlich ansprechend. Wir machen bessere Arbeit als die anderen. Ich möchte, dass man das auch sieht. Sofort, im ersten Augenaufschlag. Die klare Linie. Den rote Faden.“

Den roten Faden ließen wir gleich am Deckblatt beginnen, in Orange, indem wir Farben und Formen vom Logo konsequent weiter spannen. Den stilisierten Schwung im Straßenverlauf stanzten wir diesmal nicht nur im übertragenen Sinn sondern tatsächlich mit Lasertechnik aus dem schweren, metallisierten Papier der Sirio-Pearl-Reihe, das auch bei den Trennblättern zum Einsatz kommt.

Diese erleichtern durch Übergröße nicht nur den schnellen Zugriff auf die einzelnen Kapitel, sondern zeigen auch den räumlichen Fortschritt des Projekts anhand monochromer Satellitenaufnahmen der Autobahnstrecke. Die Reise führt von Kapitel zu Kapitel, von Ghweifat nach Mafraq, und bleibt zu jeder Zeit transparent.

Maximale Seitenanzahl (150) und Schriftgröße (12pt) waren vorgegeben. Die Schriftart nicht. Gut so: Schließlich würden wir Information von 190 Seiten präsentieren müssen – und nicht bloß unterbringen. Ein intelligenter Satzspiegel mit optimiertem Flattersatz und der schlanken, gut lesbaren Fließtext-Schrift Berthold Imago verschaffte uns 25% Platzersparnis und damit ausreichend Weißraum. Die andere Herausforderung war es, die Vielzahl technischer Daten, Konzernstrukturen und Finanzierungspläne leicht fassbar zu gestalten: 40 Seiten Tabellen aufbereiten, zahlreiche Organigramme zeichnen, eine praktikable Ebenengliederung finden, die Binnenabsatzformatierung. Das Rohmaterial kam von den Konsortiumsmitgliedern aus fünf Ländern und vier Zeitzonen und musste bis zur letzten Minute immer wieder revidiert, gekürzt, erweitert, oder ganz aus dem fertigen Satz herausgenommen werden. Die gesamte Mappe ist von uns mit Cover-Mutation in Wien gesetzt, gedruckt, gestanzt, geschnitten und ohne auszukühlen direkt auf den Weg nach Abu Dhabi geschickt worden, wo bereits die arrangierten, ansprechenden Verpackungen auf sie warteten würden.

Natürlich freute es uns zu hören, dass die MMG die erste Ausschreibungsphase bereits erfolgreich durchlaufen hat.