End of Cinema?
Das Beethoven-Kino in Baden bei Wien ist nicht nur namenstechnisch ein Klassiker. Seit über 80 Jahren steht es an der selben Stelle. Es hat viel gesehen, auch bessere Zeiten.
Anfang der 70er ging es zur Constantin-Gruppe, denen auch Cineplexx gehört: eine jener Multiplex-Ketten, die das Leben von Stadtkinos nicht gerade einfacher gemacht haben. Die Riesenleinwände … Die steil ansteigenden Reihen mit extra-komfortablen Sitzen … Dutzende Filme … Und alle in dieser enormen Lautstärke, vor der auch das Beethoven, trotz 25 Kilometer Entfernung zum nächsten, nicht länger die Ohren verschließen konnte. End of Film. End of Cinema. Oder doch nicht?
Corporate Identity
Es stimmt: Die Anderen haben viel, was das Beethoven-Kino nicht hat. Aber das Beethoven hat eine Vergangenheit. Und in genau der kann auch seine Zukunft liegen. Kino war früher nicht nur ein Vorführort, sondern ein Platz der Begegnung. Ein sozialer Raum. Will das Beethoven-Kino mit seinen zwei Sälen fortbestehen, muss es zurückfinden zu dieser Identität. Damit aufhören, das Spiel der Anderen zu spielen und beginnen – sich selbst zu spielen. Die Basis jeder Corporate Identity. Das Beethoven … als es selbst. In der Rolle seines Lebens. Diese umfassende, also auch programmliche Umorientierung, müsste ganzheitlich und konsequent kommuniziert werden. Wir lieferten den Entwurf für das Corporate Design.
Der Licht-Einfall
Fürs Logo ließen wir uns vom Breitformat der Leinwand und dem Licht inspirieren, das es in den Raum zurückwirft. Der Eindruck dieses Lichts: flüchtig, nie fixierbar. Es kann laufend seine Intensität wechseln, jeden Moment seine Farbe, bis zu 24 Mal in der Sekunde. Genau dieser Bewegtheit galt es Ausdruck zu verleihen. Wir stanzten deshalb den stilisierten Randschein der Leinwand aus dem Karton des Prototyps und ließen damit Licht herein: Wir ließen uns aufs Licht ein. Wir vertrautem dem Einfall. In Verbindung mit geschickter Faltung kann man durch diese ausgestanzte Fläche eine andere Farbe durchscheinen lassen. Eine, die sich beim Entfalten gleichsam mitentfaltet und das ganze Logo so beleuchtet und belebt.
Egal ob auf der Visitenkarte, am Briefpapier, auf Plakaten, Tickets, Sammelkarten, auf den Popcorntüten oder Flyern. In diesem Sinn hat das Logo selbst keine Farbe. Es ist dessen Medium und spielt sie alle. Die zwei Stanzungen bilden gleichzeitig nicht nur im übertragenen Sinn eine Klammer für den Schriftzug „Das Beethoven“, das durch die Bildsprache nun ganz ohne erklärendes „Kino“ auskommt.
Die Schriftart, die wir dafür suchten, sollte vor allem charmant und nicht zu glatt sein, Charakter haben eben. Und als wir sie dann fanden, mit ihren vielen kleinen, liebenswerten Unregelmäßigkeiten, sahen wir in ihrem Namen ein gutes Vorzeichen: Calvino. Schließlich war es doch Italo Calvino, der das Kino wie kein Zweiter besungen hat. Die Höhle des Kinos. In die wir hinabsteigen. Und dabei der Geschichte unseres Lebens begegnen.
Das Programmheft
Am Weg in diese Höhle ist die beste Fackel natürlich ein anziehendes Programmheft. Übers ganze Cover jedes Monat neu ein Fotostill und ein Zitat aus einem aktuellen Film. Jedes Monat in einer neuen Leitfarbe und unter einem neuem Thema.
Schnelles Editorial, das drauf eingeht. Einzige Konstante das teiltransparente Logo auf dunkelblauem Grund. Knappe Filmliste im Überblick samt Starttermin. Die Filme kurz beschrieben, vier Schlagworte statt Genreeinteilung. Im Herz des Programmhefts dann Abzieh-Sticker mit Datum und Beginnzeit zur Erinnerung. Dazu Aufkleber, die fürs Monatsthema Werbung machen. Den genauen Spielplan gibt’s in übersichtlicher Tabellenform: wann, was, in welchem Saal. Alles auf einem Blick. Genau wie im Kino. The show must go on. Besonders im Beethoven.




















