»A course of nature« – Editorial Design für die STRABAG

von Stefan, geschrieben am 11. April 2010

Es ist jetzt schon ein paar Monate her, aber da es sich um Unterlagen handelte, die bei einer Ausschreibung eingereicht wurden, können wir erst jetzt darüber schreiben. Das Konsortium »KMG« hat das Auswahlverfahren nämlich mittlerweile gewonnen und damit den Zuschlag für den Bau einer Autobahn in Süddänemark bekommen …

… und wir durften unseren Beitrag in Form der Gestaltung der eingereichten Unterlagen leisten. Was diesmal, im Vergleich zum Autobahn-Projekt in Abu Dhabi vor einem Jahr, eine noch wesentlich umfangreichere Herausforderung war, denn: Es ging um knapp 700 Seiten in dänischer Sprache, für die es ein gestalterisches Gesamtkonzept, die cleverste Strukturierung und den richtigen Textsatz zu finden galt.

Die Voraussetzungen.

Es war keine ganz einfache Ausgangssituation. Die STRABAG hatte sich als einzig ausländisches Unternehmen um den Bau eines 26 km langen Autobahnabschnitts in Süd-Dänemark beworben. Es wurde ein Konsortium namens »KMG« (Kliplev Motorway Group) gegründet, unter anderem mit einem deutschen Straßenbau-Unternehmen. Jetzt ist man in dieser Gegend nicht unbedingt sehr gut auf Deutschland zu sprechen, was historische Gründe haben mag.

Noch dazu waren alle anderen Bieter kleinere Unternehmen aus der Region, sprich: Die STRABAG – als eines der größten Bauunternehmen Europas – wurde von den Behörden als übermächtiger Preisbrecher aus dem Ausland wahrgenommen. Dabei war dem dänischen Verkehrsministerium vor allem eines wichtig: umwelt- und sozialverträgliches Bauen. Die Landschaft solle nicht geschädigt, die Anrainer nicht gestört werden. Und wie schon eingangs erwähnt: es war ein großer Brocken Information, den wir zu gliedern, gestalten und zu bändigen hatten!

Unser Ansatz.

Wir mussten also das Image als großer bedrohlicher Eindringling entschärfen und zeigen, dass die STRABAG mit der Natur und nicht gegen sie arbeiten möchte. Daher suchten wir Materialien und Oberflächen, die in der Gegend, in der die Straße entstehen würde, natürlich vorkommen. Wir fanden eine typische Grasart, eine Sedimentgesteins-Formation (die mussten wir leider aus Zeitmangel von wo anders bebildern), das Federkleid einer Gänseart, sowie die Blätter eines Farns und das Holz eines heimischen Laubgehölzes. Darin entdeckten wir wiederum Strukturen und Oberflächenausprägungen, die an eine Straßenführung erinnern. Die Idee: Man holt sich die Inspiration für die Technik aus den Details der Natur.

“A course of nature”

… war der Slogan, den wir dazu kreirten. »Der Weg der Natur« – inklusive Doppeldeutigkeit in Bezug auf Straßen und Wege.

Die Umsetzung.

Diesen sprichwörtlichen Weg haben wir dann über die natürlichen Strukuren gelegt: in Form eines Straßen-Mittelstreifens, in den sich die Nummerierung des jeweiligen Bandes organisch einfügt. Um eine Assoziation von »über-die-Natur-drüber-bauen« gar nicht erst aufkommen zu lassen, haben wir nur Detail- oder Makro-Ansichten als Cover gewählt, was ausreichend Abstraktion mit sich bringt.

Um das Konzept nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar zu machen, wurde das Cover jedes Bandes mit einem Blatt Transparentpapier versehen, auf das die Straßenform samt Nummerierung aufgebracht wurde, anstatt sie direkt aufs Cover zu drucken.

Die einzelnen Kapitel innerhalb der Bände sind durch Trennblätter (ebenfalls aus Transparentpapier) gegliedert. Dass diese 6 mm über die Inhaltsseiten hinausstehen und sowohl die Kapitelzahlen als auch die Seitennummerierung mittig auf selber Höhe stehen, ermöglicht es, schnellstmöglich zu gesuchten Inhalten zu gelangen.

Es hat uns natürlich besonders gefreut, dass das Verkehrsministerium von Dänemark die KMG-Einreichung mit großem Abstand (9,3 von 10 möglichen Punkten … knapp 3 mehr als der Zweitplatzierte) zum Gewinner erklärt hat.

Band 3

Band 4

Band 5

… und hier endet die Reise durch das Dokument nicht nur optisch – indem die Straßenführung nach der 5 nicht mehr weitergeht – sondern auch tatsächlich.


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