Google Instant: Vorteile und Gefahren

von Stefan, geschrieben am 26. September 2010

Es ist nicht lange her, da hat Google seine neue Instant-Technologie präsentiert. Diese ist zwar derzeit noch nicht in die österreichische Version des Suchdienstes integriert, aber auf der .com kann man sich schon mal ansehen, wie es in Zukunft ablaufen wird. Mich interessiert die Frage, wie sich die ganze Sache auf das Suchverhalten der User und auf Google AdWords auswirken wird.

Irgendwann diesen Sommer ließ Google-CEO Eric Schmidt in einem Interview schon ein bisschen erahnen, wo es mit seiner Suchmaschine und damit de facto mit dem wichtigsten Zugang zum Internet hingehen soll:

I actually think most people don’t want Google to answer their questions. They want Google to tell them what they should be doing next.

Google will also nicht mehr nur Suchmaschine sein, sondern unser Handeln aktiver beeinflussen. Nicht wir sagen Google, was wir suchen, sondern Google sagt uns, was wir tun sollen. Instant ist ein erster Schritt dahin.

Wie es funktioniert

Im Grunde genommen ähnelt die Funktion der Auto-Vervollständigung, die es auch bisher schon gab. Nur bekommt man nicht mehr nur Vorschläge, es werden gleich in Echtzeit die zugehörigen Suchergebnisse angezeigt. Und zu jener Anfrage, die am häufigsten von anderen Usern gesucht wurde und mit den ersten paar eingetippten Buchstaben übereinstimmt.

Seht selbst:

Wie gut es funktioniert

Keine Frage, die Ergebnisse kommen schnell, eigentlich ohne merkliche Verzögerung. In den meisten Fällen ist man bestimmt schneller beim gewünschten Ergebnis. Besonders, wenn man nach einer großen und wichtigen Website sucht, reichen oft 2-3 Buchstaben.

Was gar nicht geht

Leider bringt dieser Mitdenk-Dienst von Google nicht nur Vorteile: denn er bevormundet den User auf mehreren Ebenen.

Wenn die Suchmaschine meint, man hätte sich vertippt, werden einfach die Ergebnisse jenes Begriffes angezeigt, den Google für richtig hält! Sprich: die eigene Suchanfrage wird ignoriert und Google zeigt einem, was man eigentlich gesucht hat. Da wird man gar nicht mehr gefragt.

Das kann richtig brutal werden, wenn man z.B. einen Firmen- oder Produktnamen hat, zu dem es ein ähnlich geschriebenes, prominentes anderes Wort gibt. Dann wird man nämlich nicht einmal mehr bei korrekter Eingabe des Namens als Suchwort gefunden. Zum Beispiel bei der Umwelt-Suchmaschine »reegle«:

Wie ihr seht, wurde der Name (»reegle«) korrekt eingegeben, Google ist sich aber sicher, dass man »reagle« gemeint hat und zeigt daher die Ergebnisse dafür an. Man müsste aktiv auf »Search instead for reegle« klicken … wenn man diesen Satz überhaupt findet. Google verhindert in diesem Fall also das Auffinden des gewünschten Inhalts.

Da Deutsch als meine Browsersprache eingestellt ist, bekomme ich auch auf der US-Version von Google die deutschen AdWords und wie man sieht: Dort geht es dann wiederum um »Regale«. Reegle selbst hat also kaum eine Chance, hier noch ordentlich aufgefunden zu werden, weil sie nun mit Begriffen konkurrieren, die ähnlich geschrieben und von Google als wichtiger empfunden werden.

Auswirkungen auf das Suchverhalten

Man wird sich schnell an Google Instant gewöhnt haben. In den meisten Fällen ist es für den User wohl auch schneller und bequemer. Allerdings geben die Suchenden damit ein großes Stück Hoheit über ihre eigenen Gedanken ab. Man nimmt einfach das Erste, was Google einem vorschlägt und das ungefähr passt.

Das ist natürlich immer auch das, was von anderen Usern am häufigsten gesucht wurde, wodurch sich der Kreis schließt. Das, was andere häufig suchen, ist das einzige, was ich finden kann und damit wird es noch beliebter, wodurch es auch in Zukunft sicher als Premium-Ergebnis gewertet wird. Dass der User aber eventuell doch etwas anderes, und sei es auch nur in Nuacen, gesucht haben könnte: egal. Die Masse (und mit ihr Google) entscheidet, was der Einzelne zu suchen hat.

Auswirkungen auf Google AdWords

Wer einen Suchbegriff eingibt und auf dem Weg dorthin 4 verschiedene Ergebnisseiten angezeigt bekommt, bekommt natürlich auch 4 verschiedene AdWords-Anzeigen-Sets zu sehen. Da eine Impression allerdings erst nach 3 Sekunden Sichtbarkeit gezählt wird, dürfte es hier hoffenlich keine allzu großen Veränderungen geben.

Allerdings werden die Nischen, die man bewerben kann wohl immer kleiner werden. Denn es wird in Zukunft immer weniger spezifische, immer weniger genau ausformulierte und selbst verfasste Suchanfragen geben. Die Searchterms, die am häufigsten eingegeben wurden, werden noch häufiger aufgerufen, da Google sie automatisch anzeigt. Sprich: Dort wird der Traffic immer höher werden, während die weniger wichtigen Ergebnisse gar nicht mehr gezeigt werden.

Daher muss der Nischen-Besetzer eventuell in den Mainstream wechseln, wodurch dort die Konkurrenz steigt. Und mit ihr die Klick-Preise. Clever, Google: die Userströme werden durch weniger verschiedene Suchanfragen gebündelt, wodurch die AdWords-Einnahmen steigen. Denn es werden ja nicht weniger Anfragen, nur weniger verschiedene Anfragen … und somit kommt es zu gebündelter Konkurrenz auf diesen Plätzen, was  in einem Auktionsverfahren natürlich die Preise für alle Bieter in die Höhe treibt. Google optimiert sich also aktiv seinen Marktplatz in Bezug auf Einnahmen.

Das Bewerben von häufigen Tipp- und Rechtschreibfehlern wird wohl auch immer weniger sinnvoll werden.

Auswirkungen auf Namensfindung und Branding

Man wird wohl mehr noch als bisher darauf achten müssen, dass Unternehmens- und Produktnamen nicht in die Buchstaben-Nähe von gebräuchlichen Begriffen kommen. Wenn Google denkt, dass diese wichtiger wären, wird nämlich zumindest derzeit die Anzeige des weniger prominenten Worts verweigert. Da kann es dann ungefähr so schwierig sein gefunden zu werden, wie heute als Email-Produzent noch irgendwo einen Fuß gegen die Konkurrenz von »E-Mail« in die Türe der Suchergebnisse zu bekommen.

Kommentare

HG 17.08.2011, 15:19 Uhr

Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen ist es von Vorteil mit einer Suchwolke zu arbeiten die für diese Seite alle möglichen Barrieren positiv beeinflusst.

 

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