Ich brauche einen Preis. Wofür erkläre ich später.

von Stefan, geschrieben am 9. Juni 2009

Vor zwei Wochen bekamen wir per E-Mail eine Anfrage von der Marketing-Beraterin einer Kanzlei: Es gehe um ein Corporate Design und die Neugestaltung/Umsetzung einer Website. Nichts ungewöhnliches bis hierhin. Auch die sofortige Bitte um einen Preis (wenn auch nicht verbindlich … für einen Vertragsrechts-Anwalt) überrascht nicht. Das wird gerade von kleineren Auftraggebern oft gefragt. Üblicherweise verstehen sie allerdings unseren Standpunkt, dass wir uns mit potenziellen Kunden immer erst treffen und uns ihre Pläne, Wünsche und Vorstellungen anhören wollen, bevor wir ein Angebot verfassen.

Das hat viele Gründe:

  • Man sollte ein Projekt so gut wie möglich kennen und abschätzen können, bevor man an die finanzielle Seite heran geht.
  • Fast genauso wichtig wie der Projektumfang und die Komplexität ist es auch, sein Gegenüber kennen zu lernen. Ohne ein persönliches Gespräch bleiben oft die wichtigsten Infos (meist sind das informelle) im Verborgenen.
  • Die Bereitschaft, sich zusammen schon im Vorfeld mit dem Projekt auseinander zu setzen zeigt beiden Seiten, dass man es ernst meint und der Arbeit auch die nötige Zeit und Aufmerksamkeit zu geben bereit ist.
  • Für uns ist es wichtig, einem potenziellen Kunden unsere Arbeitsmethoden (von Detailbriefings über gemeinsame Zielformulierungen hin zu Moodboards, Wire-Frames, etc.) zu erklären. Damit er genau weiß, was auf ihn zukommt und sieht, dass er selbst stark in den Prozess eingebunden ist. Das gibt Sicherheit, verlangt aber auch die Bereitschaft, sich tatsächlich mit der Materie auseinander zu setzen.

Was diesmal ungewöhnlich war …

… war das Erstaunen darüber, dass wir mit der Information »Website + Briefpapier + Visitenkarten + Infobroschüre« noch nicht zufrieden waren und keine quasi automatisch generierten Preise retour kamen. Aber man käme zu uns ins Büro. 15 Minuten würden wohl reichen?

Für uns war es so unmöglich, das Projekt schon richtig einzuschätzen – zumal ich 10 der 15 Minuten dafür aufwendete zu erklären, dass ich es für verkehrt halte, eine Website zu gestalten und dann daraus ein Corporate Design abzuleiten.

Ich bat also um die Möglichkeit ein andermal, auch telefonisch, die noch unbesprochenen Punkte durchzugehen – als Antwort kam eine Aufstellung der einzelnen Tätigkeiten, in die wir quasi die Preise hätten eintragen sollen. Offensichtlich rein zum Preisvergleich zwischen mehreren Büros. Diese hätten auch, so die Marketing-Beraterin in weiterer Folge, meist kein Problem damit gehabt, schon auf die erste E-Mail hin »ca.-Preise« zu nennen.

Da war mir klar, worum es geht:

Mit so wenig Aufwand wie möglich so viele standardisierte Preis-Aufstellungen für den Anwalt zu sammeln und das so schnell wie möglich.

Wir haben dann versucht aufzuzeigen, dass wir wohl sehr unterschiedliche Zugänge und Herangehensweisen an qualitätvolle Gestaltung hätten und es vielleicht besser wäre, jemand mit dieser Arbeit zu betrauen, der auch nach der Speed-kills-Methode arbeitet.

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