Manipulation in der Fotografie. Ein Überblick.

von Stefan, geschrieben am 12. Juli 2009

Spätestens seit Bilder in Pixel und Lebensmittel in Moleküle zerlegt werden, ist alles möglich. Ein Foto besteht in der Digitalfotografie letztlich aus ein paar Millionen Bildpunkten, von denen jeder einzelne nichts anderes ist als die Kombination dreier Farben in einem bestimmten Verhältnis zueinander. RGB. Rotgrünblau. Jede dieser Farben kann einen Wert von 0 (Null wie Nichts) bis 255 annehmen. Das geht quasi nach Intensität: je mehr rot, desto roter der Pixel. Und je mehr Farbe insgesamt, desto heller. R=255 G=255 B=255 ist Weiß. So unsexy klingt das heute.

VorherNachher

Und daher ist es wie in der Molekularküche: man kann ein Bild in seine kleinsten Bestandteile zerlegen und neu zusammensetzen. Neues schaffen, vielleicht Perfekteres. Selbst gestalten, was die Natur von sich aus nicht herzugeben bereit war. Das Foto ist dann nur noch der Lieferant einer guten Vorlage. Es liefert das Pixel-Fleisch, den Geschmack von dem man ausgeht, den man verwenden möchte. Allerdings: Je besser die Qualität, je fehlerfreier, desto einfacher die Arbeit damit.

Dabei haben sich doch nur die Möglichkeiten verändert: Retuschiert wurde immer schon. Heutige Photoshop-Werkzeuge sind sogar nach den alten Manipulations-Methoden aus der Dunkelkammer benannt. Da wird abgewedelt und nachbelichtet, obwohl hier nirgendwo mehr Licht drauffällt. Aber die Möglichkeiten der modernen Bildbearbeitung haben zu einer Verselbständigung der Methode geführt: sowohl wirtschaftlich (Postproduction-Spezialisten verdienen oft mehr als die Fotografen) als auch künstlerisch.

Die Nachbearbeitung ist ein selbstverständlicher Teil des Gestaltungs- und Produktionsprozesses geworden. Und damit wurde die Fotografie von Grund auf verändert: Sie ist nicht mehr Dokument, sondern Ausdrucksmittel. Manchmal auch nur Effekt. Teilweise Werkzeug.

Und weil es hier so eine große Kluft gibt zwischen dem was gemacht werden kann und dem, was Betrachter von einem Foto erwarten und glauben, entstehen Probleme. Teilweise sogar Skandale, Verbots- und Kennzeichnungsforderungen, Vorwürfe der Mitverantwortlichkeit an gesellschaftlichen Verfallserscheinungen.

Die Fotografie wird sich nicht mehr zurück entwickeln, daher müssen wir versuchen, Fotos als das zu sehen, was sie heute sind. Wir müssen die Möglichkeiten und Mechanismen genauso kennen wie die Aufgaben, die die Fotografie in den unterschiedlichsten Bereichen erfüllt. Ansonsten bleiben wir in einem flachen »echt=gut/unecht=böse«-Bewertungsschema hängen.

Ich werde daher in nächster Zeit meinen Standpunkt zum Thema Manipulation in einzelnen Blog-Artikeln über folgende Bereiche der Fotografie darlegen:


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