Wir arbeiten mit Moodboards nicht nur, weil es Spaß macht sie herzustellen. Sie sind für uns auf vielen Ebenen ein idealer Einstieg in den Entwurfsprozess. Die Situation ist dabei üblicherweise folgende: Ein Projekt (ob nun aufwändiges Webdesign oder ganze Corporate Identity) wurde uns vorgestellt, wir haben in Meetings, persönlichen Gesprächen oder Telefonaten die Rahmenbedingungen ebenso wie den Auftraggeber kennen gelernt und auch finanziell hat man sich geeinigt. Das Projekt kann also beginnen.
Jetzt lauern einige Gefahren, die zu weniger guten Ergebnissen und Erlebnissen führen können und nur durch Erfahrung in Gestalter-Kunden-Kommunikation und die richtige Methodik vermieden werden können. Wie schafft man es also, dass …
- man als Grafiker jetzt nicht einfach drauf los arbeitet und nach einiger Zeit eine Lösung erarbeitet hat, zwar gut, aber eventuell nicht jene ist, die sich der Auftraggeber vorgestellt hat?
- der Auftraggeber, und damit der eigentliche Projektvater, nicht erstmals bei der Präsentation in den Entscheidungsprozess eingebunden wird (was zu einer gewissen Abwehrhaltung führen muss)?
- beide Parteien, Gestalter wie Auftraggeber, jederzeit das Gefühl haben: Ich weiß wo wir stehen, ich weiß in welche Richtung es geht und ich bin mir sicher, dass es am Ende letztlich genau eine, nämlich die einzig richtige Lösung geben wird?
Moodboards sind ein erster Schritt dorthin. Sie charakterisieren anhand von Stimmungsbildern gewisse Richtungen, in die ein Projekt gestalterisch gehen kann. Man erarbeitet visuelle Typen, eventuell sogar ganze kommunikatorische Charaktere. Mit jedem von ihnen muss man die Projektziele erreichen können. Der Weg dorthin wäre jedesmal ein anderer.
Nehmen wir eines unserer aktuellen Projekte her. Wir arbeiten gerade am Corporate Design einer Eventagentur, die neu gegründet wird. Mehrere Gespräche, ein Workshop und gewichtende Fragebögen haben gezeigt, dass das Unternehmen eine eher luxuriöse Richtung einschlagen wird (Standort: Zürich), dabei aber Transparenz und Ehrlichkeit eine wesentliche Rolle spielen sollen. Also haben wir folgende drei Typen entwickelt, die das erreichen können:
Typ 1 – Barocker Luxus
ausschweifend, gesellig, Versace, Rom, floral, prunkvoll, feingliedrig, geschwungen, barock, Gold, extrovertiert, orientalisch, ornamental, laut
Typ 2 – Minimalistischer Luxus
kühl, reduziert, glatte Oberflächen, Edelstahl, Understatement, Silber, elegant, Schwarz/Weiß, zurückhaltend, leise, Hamburg, intellektuell, modern
Typ 3 – Transparenz und Dynamik
dynamisch, transparent, nicht abgehoben, in meiner Stadt, berechenbar, partnerschaftlich, vertrauenerweckend, freundlich, Glas, hell, kräftige Farben, klar, übersichtlich, value for money
Was passiert also …
… wenn der Auftraggeber sich jetzt für ein Moodboard entscheiden muss? Er entwickelt zum ersten Mal eine Beziehung zum Gestaltungsprozess, fällt schon früh in dessen Verlauf eine Entscheidung und fühlt sich dadurch gut eingebunden. Das sorgt meist für eine gewisse Begeisterung an der Zusammenarbeit, die mit relativ einfachen Mitteln erreicht wird. Und idealerweise fällt die Entscheidung für nur eines der Moodboards richtig schwer: weil nämlich alle drei plausibel, zielführend und passend wären.
Nur damit ihr wisst, in welche Richtung es bei diesem speziellen Projekt gehen wird: Es wurde Typ 2 – Minimalistischer Luxus!
Weiterführende Artikel zum Thema
How Moodboards can safe time, money and your sanity – by Paul Boag
Why Moodboards matter – Webdesignerdepot
5 reasons to design with moodboards – Lifeclever






















Erwin K. 10.02.2010, 12:42 Uhr
Moodboards sind wirklich eine tolle Methode – eure schauen übrigens grossartig aus …