Weil man einfach nicht anders kann, als Paris zu mögen. Zumindest wenn man mal dort war. Denn bei vielen scheitert es ja noch daran, dass sie die Pariser als unfreundlich und arrogant empfinden, ohne jemals einen getroffen zu haben.

Vielleicht mögen auch 5 kurze Tage nicht genug sein, um ausreichend oft Zeuge zu werden, wenn sich Einheimische der Konversation mit Ausländern verweigern und kein Englisch zu sprechen bereit sind. Vielleicht passiert das aber auch kaum, was ich von Wien nicht sagen kann. Könnte nicht behaupten, hier in der U-Bahn jemals beobachtet zu haben, wie Polizisten scherzend durch den Zug patroullieren, dabei Kulis herborgen und Fragen von Touristen beantworten. Und ein wenig später eine einspurige Straße spontan sperren, aussteigen, die Fahrer hinter sich einzeln durchs Fenster bitten einen Meter zurück zu setzen: damit ein armes Schwein doch noch heute zum ausparken kommt.
Das alles mag in der Peripherie ganz anders aussehen, klar. Dort brennen schon mal Autos, wobei ja da auch schon mal die Frage aufgeworfen wurde, ob das nicht auch an den französischen Autos selbst liegen könnte.
Der Zugang zur Stadt.
In den letzten Tagen habe ich immer wieder mal versucht, Paris mit meiner erklärten Lieblingsstadt Rom zu vergleichen – einzig: es funktioniert nur bedingt. Das liegt daran, dass Rom ziemlich von der Substanz lebt, diese aus bröckelndem Stein besteht und beinahe alles in der Stadt mitbestimmt: Da darf es keine zeitgenössische Architektur im Zentrum geben, darf keine U-Bahn gegraben werden, weil man sonst Säulen im Schacht hätte, muss die Römerin ihre Absätze riskieren, weil das Pflaster antik ist.

In Paris dagegen hat man offensichtlich einen der gesündesten Zugänge zu Tradition und Städteplanung. Da hat man früh genug unter Haussmann viel altes kaputt gemacht, um Durchbrüche zu schaffen, die die Stadt heute funktionieren lassen: diese unendlich langen, breiten Boulevards, die alleengesäumt in alle Richtungen durch die Stadt führen. Überhaupt kann ich mir keine großzügigere Stadt vorstellen als Paris. Plätze und Parks von ähnlicher Größe wie die Wiener Innenstadt, daneben der gigantische Louvre, (der, wie übrigens so gut wie alles kulturelle für EU-Bürger unter 26 frei zugänglich ist!) und nicht weit von all dem Historischen entfernt immer wieder zeitgenössische Arichtektur verschiedenster Epochen (Eiffelturm, Centre Pompidou, La Defense) und von hoher Qualität.

Paris funktioniert also sehr gut, städtebaulich. Weil man sich nicht wie Wien als Freiluftmuseum für vorhandene Architektur versteht und somit irgendwann einen Schlussstrich unter die architektonische Entwicklung gezogen hat und ab jetzt nur noch konserviert. Dass Paris bei aller Großzügigkeit und nötigen Brutalität der Stadtplanung eine großflächige Schönheit nach außen trägt, die ihres Gleichen sucht, spricht dafür, hin und wieder ans Auswandern zu denken. Das alles ist so klassisch schön und geschmackvoll (wiewohl: nicht so schmutzig-charmant, frivol, rauh und laut wie in Rom. Das gilt für Gebäude gleichermaßen wie für Bewohner), teilweise unglaublich pittoresk und zerbrechlich, dabei aber immer unheimlich elaboriert in Gesamtbild wie im Detail.















