… aber generell hat mir die intensive Anwendung in der Praxis, nämlich als Kommunikationsmittel auf einer Konferenz und Expo, gezeigt, welches Potenzial Twitter in speziellen Situationen hat.
Nicht ohne unseren Hashtag.
Im Nachhinein betrachtet kann man fast sagen, Twitter war so etwas wie der Kleber, der die Teilnehmer der SES zusammengehalten hat:
Man kommt dort an, dreht sein Netbook oder iPhone auf, stellt in der Suche #SESSJ (für »Search Engine Strategies San Jose«) ein und bekommt ab sofort alle Nachrichten, die diesen »Hashtag« beinhalten in Echtzeit zugestellt. Natürlich hängt jeder, der von der SES aus über die SES schreibt immer diesen Tag an seine Nachricht an. Er ist wie der Kanal, den man sich beim Funken ausmacht.
Ein virtuelles Gesamtbild.
Und ab dann gehts los: man liest live die Gedanken von Kollegen über den Vortrage den man gerade hört oder bekommt Infos über Vorträge, die parallel dazu laufen. Übrigens werden alle Tweets, die mit besagtem Hashtag versehen sind live auf eine Video-Wall übertragen. Es entsteht so etwas wie ein Gesamtbild einer Veranstaltung.
Interessant auch: die Möglichkeit, mit Vortragenden in Verbindung zu treten. Entweder direkt, wie nach der zweiten Session von Heather Lloyd-Martin, als ich ihren Tip vom Vortag, sich Testimonials so zeitnah wie möglich zu holen, befolgt habe und ihr zum gelungenen Vortrag gratuliert habe. Sie hatte sich kaum hingesetzt, war die Antwort da, zwei Tweets später folgt man sich auf Twitter, hat sich die Website des jeweils anderen angeschaut und seinen RSS-Feed abonniert.
Oder es passiert indirekt, wie bei Debra Mastaler, die wohl via Suchfunktion ihren Namen im Auge behält und einen Tweet von mir über ihren Vortrag abgefangen hat. Nach kurzem Deutschversuch ihrerseits auch hier: Feedback, lesen, verlinken, abonnieren.
Tweet feeds people.
Jetzt mal ganz abgesehen von den gesellschaftlich ganz interessanten Facetten: man kennt die Leute über ihre Tweets, Namen und Bildchen schon nach dem ersten Tag zumindest »vom Sehen« her. Und am Abend fragt dann irgendjemand, wer heute vor hat, im Mariott essen zu gehen. Siehe da, waren doch 20. Na gut, nimmt man sich halt einen großen Tisch. Und schon lernt man Menschen kennen, mit denen man sonst nur schwer in Kontakt gekommen wäre. Das ist nicht nur persönlich ganz lustig, sondern natürlich auch in Sachen Networking nicht übel.
Oder aber man verliert schon auch mal wie unser Oliver sein Skizzenbuch. Schnell getwittert, jemand hat es gefunden, den Tweet mit passendem Hashtag der Veranstaltung gelesen und schon hat man sein wertvolles Büchlein wieder.
Und jetzt zur Kehrseite.
Ich habe Twitter bisher nur sehr zurückhaltend genutzt, weil ich das Gefühl hatte, es nimmt sehr viel Aufmerksamkeit in Beschlag, kostet also Zeit. Und leider gibt es auch eine Menge Leute, die zwar immer wieder interessante Tweets in die Welt rausschicken, zwischendurch aber mit Meldungen wie »Kaffee und Croissant. Mhhhmmm!« glänzen. Das interessiert halt niemanden. Und so ist die Ausbeute an sinnvollen Tweets über den Tag gesehen oft gar nicht so üppig.
![]()
Wenn man nicht gerade Insider-Infos textet (wie Armin Wolf), einen anderen persönlich anspricht oder eben über ein via Hashtag gekennzeichnetes Ereignis schreibt, sollte ein Tweet meiner Meinung nach zumindest auf irgendetwas sinnvolles verlinken. Meldungen über Nahrungsaufnahme und Körperpflege halte ich nicht für besonders interessant.
Und dann gibt es da natürlich noch die Kategorie User, die es versucht mit Automatisierungs-Tools zu tausenden Followern zu kommen. Das funktioniert so: eine Software folgt tausenden Menschen, die bekommen eine Nachricht darüber. Normalerweise schaut man in diesem Fall, was derjenige, der einem nun »folgt«, so schreibt und wer er ist und folgt ihm dann auch oder eben nicht. Da diese »Power-User« aber eigentlich nur von der großen Anzahl an Followern leben und nichts sinnvolles von sich geben, folgt ihnen ohnehin niemand außer anderen »Bots« – sehr sinnvoll das Ganze. Da folgen sich dann zwei Programme gegenseitig und treiben ihre Statistiken in die Höhe. Aber wozu? Da wird Twitter zum reinen Selbstzweck; das einzige, was zählt ist eine Zahl. Und der normale User bekommt täglich mehrere solcher Anfragen und wird dadurch belästigt.
Kritik.
Überhaupt: ich behaupte mal, wer mehr als 100 einigermaßen aktiven Twitterern folgt, kommt mit dem Lesen nicht nach, wenn er daneben noch arbeiten oder leben will. So, jetzt haben »Heavy User« aber allesamt Zahlen im Tausenderbereich. Das kann defacto niemand mehr handhaben, also werden die Leute, denen man folgt, in Gruppen eingeteilt. Und wirklich lesen tut man dann nur eine dieser Gruppen. So hat man wieder seine 50 wirklich hilfreichen Menschen beisammen. Aber: wozu folgt man dann den anderen, wenn man nicht mehr liest, was sie twittern? Geht es eben wieder nur um eine Zahl, die möglichst hoch sein soll, um den Anschein zu erwecken, man wäre gut vernetzt?
Fazit.
Ich zweifle dahingehend die Sinnhaftigkeit in der derzeitigen Nutzung von Twitter in vielen Fällen an. In speziellen Situationen oder wenn man es nicht übertreibt und zum Selbstzweck werden lasst, hat es aber seine Berechtigung, nein: seine wirklich großen Vorzüge!














