Wie man mit absurden Ideen Geld verdient

von Stefan, geschrieben am 30. April 2010

Vor einem Jahr hab ich mir mal kurz Gedanken darüber gemacht, was wahrscheinlich das nutzloseste und nervigste Produkt wäre, das ich mir vorstellen kann. Vor ein paar Tagen blieb mir dann der Mund offen stehen: hat doch tatsächlich jemand was sehr ähnliches umgesetzt und ist dabei, damit reich zu werden. Von verpassten Chancen und dem Mut, Dinge einfach zu tun.

Wieso ich mir überhaupt überlegt hatte, was wohl das unsinnigst denkbare Produkt wäre? Weil es gerade Spaß gemacht hat, nicht immer nutzenorientiert zu denken. Und weil ich gerade auf der Suche nach einem mp3-Player war.

Ich hatte mir dabei überlegt, ob mich ein iPod Shuffle nicht vielleicht mehr nerven als unterhalten würde. Denn: Wie der Name schon sagt, ist dieser Mini-Player darauf ausgelegt, ohne Display Musik im Zufallsmodus wieder zu geben. Man weiß nicht, was als nächstes kommt und kann es auch nicht beeinflussen. Ich sah da auch einiges an Frustrationspotenzial.

Wenn man sich jetzt an einem stressigen Arbeitstag voller Telefonate, E-Mails und Skype-Konferenzen solche Dinge überlegt, ist man schnell beim wahrscheinlich mühsamst dümmsten Produkt: Skype Shuffle. Ich fand den Gedanken irgendwie großartig komisch, ständig wahllos mit irgendwelchen Menschen verbunden zu werden und keine Kontrolle darüber zu haben. Komisch daran war weniger das Ding selbst, sondern die Vorstellung daran, wie Skype Shuffle einen Menschen in kürzester Zeit in den Wahnsinn treiben würde.

Und jetzt das.

Ein 17jähriger Russe hat mit 10.000 $, die er sich von seinen Eltern ausgeborgt hat, im letzten November den online-Dienst »Chatroulette« aufgezogen. Leute werden nach Zufallsprinzip anderen Leuten zugewiesen, sehen diese via Webcam und können mit ihnen chatten. Wenn einem nicht passt was man sieht, kann man auf »next« klicken und bekommt den nächsten Zufallsmenschen geliefert.

Recht sinnlos das Ganze, wie der großartige Jon Stewart zeigt, und ordentlich nervig nach einiger Zeit. Und eigentlich ziemlich genau, was Skype Shuffle gewesen wäre (Skype = chatten/telefonieren mit optionaler Video-Funktion übers Web).

Chatroulette hat mittlerweile rund 2.000.000 User, finanziert sich durch Werbung und ist angeblich mit Skype in Verkaufsverhandlungen. Und bei den Beträgen, die in der Vergangenheit bei vergleichbaren Deals erzielt wurden, muss sich der russische Gymnasiast wohl kein Sorgen mehr um seine Zukunft machen.

Was lernen wir daraus?

  1. Es braucht manchmal keine Riesensummen, um eine Idee erfolgreich zu machen, wenn man mit Enthusiasmus dahintersteht.
  2. Wenn man die Bedürfnisse der Zeit und die sozialen Triebfedern der Menschen kennt, ist Vernunft oft nicht der beste Berater. Eine Idee kann anfangs noch so absurd klingen, man sollte sie deswegen nicht gleich abwürgen.
  3. Manchmal sollte man Dinge einfach umsetzen. Oder zumindest darüber nachdenken. Irgendjemand wird es nämlich tun. ;-)

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