Die Kunst der Community
Vor einigen Jahren hatten wir dem Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien bei umfangreicheren Digitalisierungsarbeiten zur Seite gestanden und waren seitdem in Kontakt geblieben. Als sich eines Tages dann Lynn Claude von der Hochschülerschaft an uns wandte, waren wir weniger erstaunt als andere. Um was es ging? Die Studenten.
Es gab einfach zu viele von ihnen: „Zum Journaldienst kamen jede Woche 200 Leute: zweihundert. Heute kaum mehr zu glauben. Vor dem kleinen Zimmer? Natürlich begann das Service darunter zu leiden. Man konnte sich nicht wirklich immer die Zeit nehmen, die nötig war. Weshalb die Leute dann auch immer wieder kamen. Ein Teufelskreis, ein wirklicher. Dasselbe bei den Erstsemestrigenberatungen. Und dabei waren wir de facto die einzige Anlaufstelle.“
Die Aufgabe?
Es gab eine kleine Website der Studienvertretung, anderswo ein ziemlich intimes Forum, eine FTP-Adresse mit einigen Vorlesungsmitschriften. „Im Nachhinein betrachtet hat das bisschen Information wahrscheinlich mehr verwirrt als geholfen.“ Es sollte also darum gehen, in einem einzigen Webportal mit ansprechendem Design all das zu konzentrieren: News, Infos zum Studium, ein zeitgemäßes Forum, Lernmaterialien zum Download, Kontaktmöglichkeiten, Bildergalerien, Linksammlungen.
Da noch dazu unterschiedliche Redakteure – mit unterschiedlichen Rechten – in der Lage sein sollten, Inhalte zu verwalten, zu erstellen und zu editieren, war ein einfach bedienbares Open-Source Content Management System (CMS) gefordert. Das Forum sollte Kern der Plattform werden, sein Magnetfeld User und ihr Wissen binden.
Dazu musste aber erst einmal das Problem der Urheberrechte gelöst werden: Im Studium der Kunstgeschichte ist Bildmaterial essenziell. Die eingesetzten Fotografien und Scans sind allerdings ausschließlich für die universitäre Nutzung freigegeben. Es galt also eine Authentifizierungsroutine zu entwickeln, die nicht nur registrierte User von nicht registrierten, sondern auch Studierende von nicht Studierenden unterscheiden konnte. Schlussendlich sollte sowohl das Forum auch als die Website über eine Suchfunktion verfügen.
Das Ergebnis.
Schon in den ersten Wochen nachdem die Plattform unter dem Namen www.kunstgeschichten.at online gegangen war, gewann sie entscheidend an Moment: Hunderte User registrierten sich, begannen zu posten, boten sich als Moderatoren an. Die Redakteure informierten in der News-Sektion direkt auf der Startseite über Veranstaltungen, Anmeldefristen und kurzzeitige Terminänderungen. Skripten wurden hochgeladen. Ein FAQ-Bereich ging online, der sich sowohl mit der Plattform selbst beschäftigte, als auch grundlegende Informationen zum Studium aus dem Info-Bereich komplettierte. Eine Community formierte sich. Und die kleinen Satellitenseiten rundherum begannen allmählich zu verlöschen. Das Institut selbst sah sich nun gezwungen, den eigenen Webauftritt zu überarbeiten und holte Ferrás gleich ins Beratungsteam …
Mit 2.700 aktiven Benutzern und 17 Redakteuren ist das Kunstgeschichten-Forum heute das größte und lebendigste der gesamten Fakultät. Die Entlastung der beratenden Stellen enorm: „Die ganzen Fragen und Antworten rund um den Studienalltag sind alle online zu finden: und gut gegliedert und am neuesten Stand. Ohne dafür vor die Tür zu müssen. Der Journaldienst kann sich jetzt gezielt schwierigen Sonderfällen widmen.“
Ende 2008 bekam das Webdesign ein kleineres Facelift. Alles blieb mehr oder weniger an derselben Stelle, fühlte sich danach aber wieder genauso zeitgemäß und frisch wie damals vor vier Jahren an, als der ganze Studienzweig begann ein anderer zu werden.











