Off the record
„Es ist nicht so, dass sie uns keine neuen Aufträge bringt …“, sagt der Geschäftsführer Peter Schaumüller. „Es ist so, dass sie uns Aufträge kostet.“ Es geht um die Unternehmenswebsite.
Voxtronic Technology ist ein international führender Anbieter von Sprach- und Datenaufzeichnungslösungen – und dabei das exakte Gegenteil einer Briefkastenfirma. Reale Produkte, die noch dazu gut funktionieren, ein Haufen Mitarbeiter, Standorte in ganz Europa, Großkunden in aller Welt. Was fehlt, ist ein Briefkasten. Ein Briefkasten im Web. Eine Plattform, über die die Kunden sie erreichen: Entscheidene Großausschreibungen standen vor der Tür. Dazu laufende Verhandlungen mit Technologie-Partnern. Und ein immer aggressiver werdender Mitbewerb. Kein Wunder, dass das Verkaufsteam da nur ungern mit der Webadresse rausrückte. Es ist so, dass sie uns Aufträge kostet.
Das Problem
Ihr Problem hätten viel gerne: rasantes Wachstum. Der Internet-Auftritt hatte damit nicht Schritt halten können. Nicht mit den Produkten, nicht mit den Kunden. Es gab unterschiedliche Agenturen und Versuche eines Relaunches, die Versuche blieben: „Ganz einfach überhoben…“, zuckt die Geschäftsleitung die Achseln. Aber woran?
Natürlich, da waren technische Herausforderungen, die es möglichst elegant zu lösen gälte. Authentifizierungsroutinen etwa, um bestehenden Kunden noch besseren Support zu bieten (und dabei gleichzeitig Bearbeitungskosten zu senken). Aber das war nicht die große Schwierigkeit. Auch die effiziente Internationalisierung der Inhalte in bis zu sechs Sprachen nicht (wir entschieden uns schließlich für GNU gettext). Nein, die Schwierigkeit waren die Inhalte: sie selbst. Es gab keine. Wir haben sie gemeinsam gesucht auf Firmenservern in ganz Europa. Wir haben nichts gefunden. Nichts, das für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen wäre. Man darf nicht vergessen: Zu den Kunden von Voxtronic zählen nicht nur Notruforganisationen, Finanzdienstleister und Verkehrsbetriebe, sondern auch Geheimdienste in aller Welt. Keine Imagebroschüren, keine Infoflyer, keine Messefolder. Da waren keine PR-Artikel, keine Presseaussendungen, keine Case-Studies. Da war gar nichts. Und guter Laune begannen wir so bei Null.
Der Ansatz.
Null: Eine schöne Zahl. Kann man von allen Seiten packen. Für welche wir uns entschieden? Für die Kundenseite. Der alte Internetauftritt war vage produktorientiert. Man bekam einige Modelle zu sehen, ein paar Serien wurden vorgestellt. Man wusste aber natürlich nicht, welche Lösung für einen selbst die richtige war. Es sei denn, man verstand das Kleingedruckte gut versteckter Produktblätter. In einem ersten Schritt ging es bei der Planung der neuen Unternehmenswebsite also darum, sich über alle potentiellen Kunden klar zu werden und diese dann Branchen und Industrien zuzuordnen (ein Vorgang bei dem neben üblichen Bezeichnungs-Idiosynkrasien auch Austriazismen zu umgehen waren, ohne sich dabei aber die österreichischen Kunden zu entfremden). Woher auch immer sie kommen würden, die künftigen Kunden, sie sollten sich später ohne Mühe in einer Kategorie wiederfinden können und erfahren, wieso die Lösungen von Voxtronic genau ihrem Unternehmen Nutzen bringen. Dazu mussten wir es natürlich selbst erst mal herausfinden …
Die Lösung.
Der komplexen Materie und eines vorverlegten Launch-Termins wegen arbeitete Ferrás über mehrere Wochen direkt am Wiener Standort des Unternehmens als embedded journalist. Wir interviewten Geschäftsführung, Marketing, den Verkauf, später auch ausgewählte Kunden. Wir bekamen Zugang zu Testumgebungen, lernten das Software-Interface kennen, wurden in den verschiedenen Modulen geschult und studierten zwischendurch Anschaltungsmöglichkeiten, Organisationspläne und Prozessdiagramme. Die Recherche umfasste tausende Seiten und führte in mehr als ein Dutzend unterschiedlichster Branchen, mit ihren je eigenen wirtschaftlichen und technischen Anforderungsprofilen, rechtlichen Rahmenbedingungen und einem spezifischen Jargon. Wir sichteten Eigenkapitalvorschriften vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, Annexe zum internationalen Luftfahrtübereinkommen und Methoden zur automatisierten Identifikation von Umsatzschwund bei Telekommunikationsprovidern. Wir gingen den Anforderungen von Wertpapier-Maklern ebenso auf den Grund wie denen von Tunnel-Leitstellen oder Krisenzentren des Katastrophenschutzes.
Ferrás lieferte die Inhalte schließlich innerhalb weniger Wochen. Sie entstanden unter Berücksichtigung optimaler Suchmaschinenergebnisse und hatten einen Umfang von sechszig Normseiten oder 100.000 Zeichen. Sie wurden ohne eine fachliche Beanstandung freigegeben für die unverzügliche Veröffentlichung. Wir ließen uns nicht lange bitten: www.voxtronic.com











